Atieva fordert Tesla

Source: http://futurezone.at/digital-life/neuer-geheimnisvoller-tesla-rivale-in-den-startloechern/164.115.883

Mitten im Silicon Valley entsteht mit „Atieva“ ein weiterer Tesla-Konkurrent, der 2018 sein erstes Elektroauto auf den Markt bringen will. Hinter dem Start-up stecken Investoren aus China. Ein Österreicher ist mit an Bord.

Woran im Gebäude hinter dem schwarzen Schild mit einem roten Logo und dem „Atieva“-Schriftzug am 125 Constitution Drive im kalifornischen Menlo Park – keine fünf Minuten von der Facebook-Zentrale entfernt – gearbeitet wird, kann man erahnen, wenn man auf die Webseite klickt. „Atieva designt und kreiert im Herzen des Silicon Valley ein Elektroauto, das den Durchbruch bringt. Wir definieren, was ein Auto sein kann und bauen ein Fahrzeug von Grund neu auf.“ Die Silhouette eines Fahrzeugs deutet an, dass das Elektroauto eine sehr sportliche Linie haben wird.

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Die Arieva-Zentrale in Menlo Park – fünf Minuten von Facebook entfernt – Foto: futurezone

Investoren aus China

Bis dato hat Atieva 131 Millionen Dollar erhalten, die zwei Investoren sind Beijing Automotive und das chinesische Netflix, Leshi Internet Information & Technology, auch als LeTV bekannt. Anfang des Jahres hat deren CEO Jia Yueting Aktien im Gesamtwert von 1,6 Milliarden Dollar verkauft, 1,2 Milliarden davon investierte er in einige Projekte, an denen sein Unternehmen arbeitet – neben einem eigenen Smartphone und einem Smart-TV floß das Geld auch in die Entwicklung eines Elektroautos. Schon im vergangenen Jahr hat Yueting angekündigt, ein „Elektrisches Superauto“ bauen zu wollen. In Kalifornien arbeiteten bereits 200 Mitarbeiter an diesem Projekt – ein Drittel davon ehemalige Tesla-Mitarbeiter, weiters Ex-Entwickler von Audi, BMW und Bosch. Gerüchten im Valley zufolge soll LeTV auch bei einem weiteren Tesla-Konkurrenten, Faraday, beteiligt sein.

Hinter Atieva steckt Bernard Tse, der das Unternehmen bereits 2007 gemeinsam mit Sam Weng gegründet hat. Tse war davor vier Jahre bei Tesla, wo er auch im Vorstand des von Elon Musk gegründeten Unternehmens war und dieses kurz vor dem ersten Tesla Roadstar, der 2008 auf den Markt kam, verließ. Gemeinsam mit Tse verließ auch der erste Tesla-CEO und Tesla-Mitgründer Martin Eberhard das Unternehmen.

Von der Batterie zum Auto

Atieva wollte anfangs aber kein Auto bauen, sondern Software für das Batterie-Management in den Elektroautos programmieren. Im Zuge dieser Arbeit sei man drauf gekommen, dass man durchaus auch Autos bauen könne, denn bei Elektroautos stellten ja der Elektromotor, die Batterie und das Energiemanagement die Herausforderung dar und nicht die Karosserie. Im „Stealth Mode“ hat man in den vergangenen zwei Jahren das Konzept eines Autos entwickelt, im Frühjahr 2016 – nachdem Tesla das neue Modell präsentiert hat – soll auch das Atieva-Modell vorgestellt werden. Gerüchten zufolge gibt es ein halbes Dutzend Design-Entwürfe, aus denen eines gewählt wird. Unklar ist auch, ob das Auto unter der Marke „Atieva“ auf den Markt kommt oder ob eine neue Automarke kreiert wird.

Die Ziele von Atieva

Die Atieva-Elektroautos sollen günstiger sein als die Tesla-Modelle, sollen eine noch bessere Reichweite haben, Smartphones und Tablets besser integrieren und komfortabler sein. Einer der Gründe, warum sich Teslas in Asien nicht gut verkaufen, ist der Sitzkomfort im Fonds des Wagens – durch die Dicke der Batterie sitzt man hinten sehr hoch, bzw. ist die Beinfreiheit gering. Vor allem in China, wo sich Geschäftsleute chauffieren lassen, sind die Tesla ob des geringen Raumangebots kein Renner geworden. In China werden jährlich nur 4000 Exemplare verkauft.

Fotos der Modell-Entwürfe gibt es von Atieva freilich keine, angeblich gibt es ein halbes Dutzend, welches Modell gebaut wird, hängt davon ab, wie das neue Tesla-Modell, das im März 2016 vorgestellt wird, aussieht.

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Wie das erste Arieva-Auto aussehen wird, ist noch top secret – Foto: futurezone

Ausdauernder als Tesla

Bei den Ladestationen sind drei Szenarien möglich – es wird eine eigene Ladeinfrastruktur aufgebaut, Partnerschaften mit Firmen, die bereits erfolgreich im Ladestationen-Geschäft präsent sind, wie etwa ChargePoint oder Blink oder mit einem großen OEM (Original Equipment Manufacturer/Erstausrüster) zu kooperieren, Ladestationen ankaufen und diese als Eigenbrand zu vertreiben. Tesla hat mit dem Supercharger eine Ladestation auf den Markt gebracht, die derzeit die wohl effektivste auf dem Markt ist, in 30 Minuten liefert der Supercharger eine Ladung für etwa 270 Kilometer Reichweite. Zum Vergleich: eine herkömmliche Ladestation schafft in einer halben Stunde nur etwa 135 Kilometer, steckt man das Auto zu Hause an die Steckdose, bringt eine 30-Minuten-Ladung 27 Kilometer.

Atieva zeigt Interesse für das gleiche Ladesystem, das Porsche auch für seinen Concep-Car „Mission E“ angekündigt hat. Die neue 800-Volt-Ladestation liefert innerhalb von 15 Minuten Energie für etwa 400 Kilometer.

Kooperation mit großen Konzernen

Was die Batterien anlangt, ist die Entscheidung noch nicht getroffen, Atieva will aber vor allem mit großen Elektrozulieferern sprechen, die Batterien in einer großen Stückzahl herstellen können. Auch die Möglichkeit, die Batterien so wie Tesla selbst herzustellen, steht noch im Raum. Tatsache ist, dass es einige große Hersteller gibt, die nicht mit Tesla kooperieren, gerne auf den Zug der Elektrofahrzeuge aufspringen würden. Panasonic ist bei Tesla an Bord, LG, Samsung, Mitsubishi, Wanxiang, Sony, Byd etc. interessieren sich sehr stark, ebenfalls mit einem Elektrofahrzeug-Hersteller zu kooperieren.

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Der Österreicher Sini Ninkovic arbeitet bei Atieva – Foto: Ninkovic

Tiroler an Bord

Auch ein Österreicher ist bei Atieva an Bord, der 29-jährige Tiroler Sini Ninkovic ist seit August 2015 dabei.  Ninkovic war vor Atieva bei BMW, wo er u.a. auch für die i3 und i8-Serie verantwortlich war, bevor er nach Kalifornien übersiedelte und seinen MBA (Master of Business Administration) an der Universität Berkeley machte. Er schreibt einen eigenen Elektrofahrzeuge-Blog. Über sein Engagement bei Atieva darf er nicht sprechen, aber: „Elektroautos sind die Zukunft“, sagt er im futurezone-Gespräch. „aber nicht alleine wegen dem Antrieb, der Vorteile für die Umwelt mit sich bringen kann. Ein Elektroauto ist durchgängig an, durchgängig connected. Das erlaubt eine Zukunft in der das Elektroauto in seiner Funktionalität einem zukünftigen Smartphone ähnlicher ist als einem heutigen Auto.“

US-Auto-Start-ups

Der Erfolg des letzten US-Auto-Startups ist schon lange her. Vor Tesla schaffte Chrysler einen erfolgreichen Einstieg, aber das war vor 90 Jahren. DeLorean – jene Firma, die das Zurück-in-die-Zukunft-Auto baute – sperrte nach 9000 verkauften Exemplaren nach sieben Jahren 1982  zu. Das letzte amerikanische Elektroauto-Unternehmen war Fisker Karma, das nur zwei Jahre 2011 bis 2013 existierte und nach etwa 2500 verkauften Exemplaren pleite war.

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