Archiv für den Monat November 2014

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Uber auf dem besten Weg zum Mobilitätsgiganten

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Krisenzeiten bei Uber – aber die Aussichten sind rosig

Es war ein Skandal von einer Größenordnung, dass ihn selbst ausgebuffte PR-Profis nicht mehr einfangen konnten: Die Uber-kritische Tech-Journalistin Sarah Lacy sollte mit einer Schmutzkampagne überzogen werden, pikante Details aus ihrem Privatleben ausgegraben werden – diesen besonders durchdachten Vorschlag äußerte Emil Michael, Ubers Senior VP for Business, am Freitag bei einer Veranstaltung in New York. BuzzFeed berichtete über die fehlgeleitete Idee; außerdem enthüllte das US-Medium, dass Uber-Manager auch Einblick in die Fahrtrouten und damit die persönlichen Daten von Journalisten nahmen. Das PR-Desaster war perfekt.

Ein Skandal, der zur Unzeit kommt. Denn eigentlich versucht das Unternehmen alles, um sein Arschloch-Image abzustreifen. Und dann sind da die schier endlosen Proteste von Taxi-Fahrern rund um den Globus, Taxizentralen, die mit einem weltweiten Verbund gegen den US-Konkurrenten aufrüsten; nicht nur in Deutschland legen sich die Gerichte quer, Uber muss Fahrer daher angeblich schon mit Sonderboni dazu bringen, überhaupt Fahrten anzubieten und wer dieser Tage in Berlin ein UberBlack-Auto rufen will, dem offenbart die App: keine Fahrer unterwegs, nichts, nada.

Uber geht durch die tiefste Krise seiner Unternehmensgeschichte. Und doch scheinen Investoren gewillt, auf die bereits vorhandenen anderthalb Milliarden US-Dollar an Funding bald noch eine oder gar zwei weitere Milliarden draufzulegen. Das Unternehmen, das bei der letzten Finanzierungsrunde im Juni mit 17 Milliarden bewertet wurde, wird dann irgendetwas zwischen 25 und mehr als 30 Milliarden wert sein.

Woher kommt dieses scheinbar grenzenlose Vertrauen? Was macht das Startup für Investoren derart attraktiv? Und wo steht das Startup, das heute schon längst nicht mehr nur ein Limousinen-Service ist, derzeit wirklich?

  1. Zusätzliches Kapital wäre für Uber tatsächlich nur ein nice to have. Von der letzten Finanzierungsrunde soll Uber noch eine Milliarde Dollar übrig haben. Das heißt, das Startup ist weit weg davon, dringend auf frisches Geld angewiesen zu sein – doch weil das Kapital billig ist und sich Investoren offenbar um Uber-Anteile regelrecht prügeln, ist der Zeitpunkt für weiteres Fundraising schlicht günstig.
  2. Die Umsätze des 2009 gegründeten Unternehmens zeigen steil nach oben: Nach Informationen von Business Insider dürfte Uber spätestens Ende 2015 auf einen Bruttoumsatz von zehn Milliarden US-Dollar zusteuern. Pro Fahrt behält das Unternehmen etwa 20 Prozent Gebühren ein – macht einen Nettoumsatz von zwei Milliarden. Laut CEO Travis Kalanick verdoppeln sich die Umsätze derzeit „mindestens alle sechs Monate“, in einigen seiner größten Märkte sei Uber bereits profitabel. Das Besondere: Den Löwenanteil seines Umsatzes macht Uber offenbar in weniger als zehn Städten auf der ganzen Welt. Das Wachstumspotenzial in den den restlichen 140 bereits erschlossenen Städten dürfte demnach gewaltig sein.
  3. Bisher ist Uber in 46 Ländern vertreten, mit dem frischen Kapital der nächsten Runde soll vor allem nach Asien, Lateinamerika, Osteuropa und Afrika expandiert werden. Das sind Regionen voller Wachstumsmärkte und mangelhaft bis gar nicht ausgebautem öffentlichen Nahverkehr – beste Voraussetzungen vor allem für die Low-Cost-Angebote von Uber.
  4. Uber dürfte dem Druck von Taxifahrern, Politik und Gerichten standhalten. Gesetzesänderungen kann Uber zwar nicht mit seinem Geld erkaufen (zumindest sollte das nicht möglich sein) – aber für die Lobbyistenschlacht ist das Unternehmen bestens gerüstet, Kalanick hat hierfür absolute Top-Leute wie Ex-Obama-Berater David Plouffe eingestellt, um die Stimmung zugunsten von Uber zu drehen. Da ist zwar noch einiges zu tun. Und die vergangenen Tage haben die Aufgabe nicht einfacher gemacht. Aber man muss auch festhalten: Bisher musste sich Uber wegen regulatorischen Drucks nur aus einer einzigen Stadt – Vancouver – zurückziehen.
  5. Neben Expansion in weitere Weltregionen gibt es bei Uber Pläne, in weitere Geschäftsfelder vorzustoßen. Das Startup, das einst als Limousinen-Service begann, macht heute schon viel mehr: Mitfahrgelegenheiten, Taxi-Vermittlung – und Warentransport. Uber hat schon mit dem Ausliefern von Mahlzeiten, Speiseeis oder Impfstoffen experimentiert. Mit UberEssentials kann man sich in Teilen Washingtons bereits heute Bedarfsgegenstände wie Halsbonbons oder Rasierklingen an die Haustür bringen lassen. Steht Ubers Logistik-Infrastruktur einmal, so sind noch viel mehr Anwendungen für Quasi-Echtzeit-Delivery denkbar. Eine „Kreuzung aus Lifestyle und Logistik“, so versteht sich das Uber der Zukunft.
  6. Mittelfristig will das Unternehmen damit auch noch den traditionellen Mietwagenmarkt obsolet machen – auf lange Sicht rechnen die Uber-Vordenker ohnehin damit, dass die ownership society zu Ende gehen wird, das eigene Auto in Städten und Agglomerationen überflüssig wird, weil Uber-Wagen zu einem vernünftigen Preis ständig verfügbar sind.
  7. Übrigens: Fahrer für die Uber-Flotte braucht das Unternehmen dann vermutlich nicht mehr. CEO Kalanick gilt als Fan selbstfahrender Autos. Bei denen ist eine weiteres Silicon-Valley-Unternehmen Vorreiter: Google. Über Google Ventures hat der Suchmaschinenkonzern übrigens mehr als eine Viertelmilliarde Dollar in Uber investiert. Kein Wunder, dass Google auch immer wieder als möglicher Käufer für Uber genannt wird. Den Investoren dürfte dieses Exit-Gedankenspiel gefallen.

Quelle: http://www.gruenderszene.de/allgemein/uber-krise-mobilitaetsgigant

Delphis Self Driving Car

Do you know Delphi (or Formerly Delphi Packard)? It is one of the biggest worlds automotive suppliers, just like Magna (formerly Magna Steyr).

Here is the great story that outlines, why the next five years in automotive engineering will dramatically change the whole picture, how we see cars and what will be the next big thing in automotive driving.

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„Google gets most of the attention when it comes to self-driving cars. And when it isn’t getting all the love, people focus on the efforts of premier automakers like Audi and Tesla. But the autonomous vehicle that makes human driving a quaint pastime may well come from an auto industry stalwart many people have never heard of: Delphi.

Delphi is one of the world’s largest automotive suppliers and has been working with automakers almost as long as there have been automakers. And it’s got a solid history of innovation. Among other things, it built the first electric starter in 1911, the first in-dash car radio in 1936, and the first integrated radio-navi system in 1994. Now it’s built a self-driving car, but it won’t be sold to the public. This robo-car, based on an Audi, is a shopping catalog for automakers. The car is contains every element needed to build a truly autonomous system, elements Delphi will happily sell.

In other words, it’s an off-the-shelf autonomous system that could help automakers catch up with Google.

The Jump Forward

Delphi has a long history in passive safety systems—things like airbag deployment electronics—and began the progression to active safety that strive to prevent rather than merely mitigate crashes. Delphi got in the game in 1999, when Jaguar used Delphi’s radar system in the adaptive cruise control first offered on the 2000 XKE. Today, Delphi offers a range of active safety systems, from automatic emergency braking to blind spot detection to autonomous lane keeping.

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Until now, those systems have operated independently of one another. Delphi wanted to make them work together. “The reality of automated driving is already here,” says John Absmeier, director of Delphi’s R&D lab in Silicon Valley. “It’s just been labeled mostly as active safety or advanced driver assistance. But really, when you take that one step further and marry it with some intelligent software, then you make automation. And you make cars that can navigate themselves.”

That marriage has come through a partnership with Ottomatika, a company spun out of Carnegie Mellon’s autonomous vehicle research efforts to commercialize its technology. Delphi provides the organs—the sensors and software for controlling the car. Ottomatika adds a central brain and nervous system—the control algorithm to bring all the data from sensors into one place and tell the car what to do. The result is Delphi’s Automated Driving System, a name so boring you’ve likely already forgotten it.

Work Like a Robot, Drive Like a Nun

The name is lame (even if the unintended acronym, DADS, is pretty funny), but at least Delphi had the sense to pack the tech into a 2014 Audi SQ5, which it chose simply because it’s “really cool,” Absmeier says. (The company changes up its showcase vehicles; earlier this year it rolled into CES with a Tesla Model S and Fiat 500.) At first glance, the car seems stock, but it’s actually covered in high-tech sensors.

A camera in the windshield looks for lane lines, road signs, and traffic lights. Delphi slapped a midrange radar, with a range of about 80 meters, on each corner. There’s another at the front and a sixth on the rear. That’s in addition to the long-range radars on the front and back, which look 180 meters ahead and behind. They’re all hidden behind the bodywork, but the LIDAR on each corner need a clear view. So Delphi put them behind acrylic windows. “We tried to make it look pretty,” Absmeier says. The Audi designer who styled the SQ5 might consider the changed look an affront, but he’s probably not as annoyed as the Lexus employee who sees Google sticking a spinning LIDAR on the roof of the RX450h like a police siren.

To give the computer command of the SUV, engineers tapped into the electronic throttle control and steering, and added an actuator to control the brakes. The interior is essentially as it appears in an Audi showroom but for the addition of an autonomous mode button, which you twist to turn on and push to turn off.

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Riding in the SQ5 in autonomous mode felt like being driven around by a nun (or at least like the former nun whose car I’ve traveled in a few times). It’s super conservative, accelerating slowly and braking early. No speeding, even on the highway to match the speed of traffic. (It’s likely this was the first time I was in a car that followed the speed limit on a highway off ramp.) It doesn’t turn right on red, which subjects the test drivers to honking and the occasional middle finger from annoyed humans. These are settings Delphi’s engineers could easily change, but for now they’re playing it safe. Very safe.

The emphasis on caution aside, the car drives remarkably well, even adjusting its position within its lane when neighboring cars get a bit close. In a 30-minute that included side roads, main thoroughfares, and Highway 101, the system faltered just twice. After accelerating after a light turned green, the car hit the brakes suddenly, apparently spooked by a car approaching quickly from the right. Pulling into Delphi’s parking lot, it hit a speed bump without slowing down. (Obstacles that are close to the ground, like speed bumps and curbs, are among the hardest things for the car’s sensors to pick up, Absmeier says.) The human in the driver’s seat, Delphi systems engineer Tory Smith, took the controls just once, to make a quick lane change the car was too timid to execute. That kind of caution is what Delphi wants. “If everything’s working, it should be boring,” Absmeier says. “We want boring.”

The Modular Approach

Google is taking a “moonshot” approach, aiming to put a fully autonomous car on the market within five years. Delphi, despite having developed an impressive system, is more circumspect about the prospect of eliminating the role of humans in the operation of a motor vehicle. “There’s a lot of romantic speculation—hype—around in the industry about that now,” says Owens. “I don’t know when we’ll get there, or if we’ll ever get there.”

And while Delphi likes the idea of one day selling a drop-in autonomous system, Absmeier says that’s not really the point of this project. “The platform enables us to build out all those different components that are required to make an automated driving system in a car, and OEMs can either take the whole package or they can say I want that algorithm and that sensor and that controller, or whatever it is that they need.”

A flexible system is the smart play, Delphi CTO Jeffrey Owens says, because automakers aren’t yet sure exactly what they want to offer. “They don’t know what path they’re gonna go down. They don’t know what governments are going to require, they don’t know what governments are going to not allow. They don’t know what consumers will pay for … They don’t know what insurance companies will incentivize and what they don’t care about. They don’t know what will help them in JD Power and what will hurt them in JD Power.”

That means that whether an automaker is shopping for systems to put in a luxury or bargain car, high volume or low, to meet regulations in the US or China, it can pick and choose the elements of Delphi’s system that it needs. And that’s good for Delphi, which is already in discussions with customers to sell elements from the self-driving platform in the next two years.“

Source: http://www.wired.com/2014/11/delphi-automated-driving-system/

Die Zukunft der Menschheit wird fantastisch

Wie werden wir in 100 Jahren leben? Diese Frage hat der Physiker Michio Kaku den 300 klügsten Köpfen aus Wissenschaft und Forschung gestellt. Die Antworten sind atemberaubend.

Schöne neue Welten: Zum Beispiel im All. In den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts machte man sich intensiv Gedanken über Kolonien im All als alternativem Lebensraum – zum Beispiel bei der Nasa. Die ließ auch gleich mal skizzieren, wie so etwas aussehen könnte. Hier: Eine „zylindrische“ Kolonie, entworfen von Rick Guidice.

Nein, die Welt wird nicht untergehen. Sie wird sich verändern. Dramatisch verändern. Auf Weltuntergangszenarien, die uns im warmen Wohnzimmer kalte Schauer über den Rücken laufen lassen, verzichtet Michio Kaku in seinem Buch „Die Physik der Zukunft“.

Im Gegenteil, der Star-Physiker und Bestsellerautor präsentiert sich als Optimist und glaubt fest daran, dass in 100 Jahren viel mehr Menschen viel besser leben als heute, und dass uns Wissenschaft und Forschung Wege in eine großartige, aufregende, wunderschöne Zukunft weisen können.

Warum sehen die meisten Menschen eher schwarz, wenn es um die Zukunft geht? Bücher über das Ende der Menschheit gibt es wie Sand am Meer. Die Katastrophe lauert an jeder Ecke. Das Klima, die Weltwirtschaft, Handystrahlen, Nanotechnik, das Internet – unser Ende scheint nah.

Das menschliche Gehirn ist ein Meister darin, lauernde Gefahren zu entdecken. In allen Ecken und Winkeln wird nach möglichen Bedrohungen gesucht. Mit diesem Erfolgsrezept der Evolution ist der Mensch sehr weit gekommen. Aber die Fähigkeit, auch gute Nachrichten wahrzunehmen, ist in unserer Spezies nicht sehr ausgeprägt.

Wie Forscher die Zukunft der Menschheit sehen

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Michio Kaku: Die Physik der Zukunft. Rowohlt-Verlag, 608 S.; 24,95 Euro<br /><br />

Foto: Rowohlt Michio Kaku: Die Physik der Zukunft. Rowohlt-Verlag, 608 S.; 24,95 Euro

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Der Autor Michio Kaku arbeitet und lehrt als Professor für theoretische Physik an der City University of New York<br /><br />

Foto: WireImage Der Autor Michio Kaku arbeitet und lehrt als Professor für theoretische Physik an der City University of New York

Für sein ausführliches Szenario auf fast 600 Seiten hat Michio Kaku 300 Forscher in aller Welt befragt, die in den Wissenschaftsgebieten der künstlichen Intelligenz, Raumfahrt, Medizin, Biologie und Nanotechnologie führend sind. Wie sehen sie unsere Zukunft? Wie wird die Welt in 100 Jahren aussehen? Die Antworten sind atemberaubend. Und Kaku ist mit seinem Optimismus nicht allein auf weiter Flur.

Die beiden Forscher und Autoren Peter H. Diamandis und Steven Kotler schreiben: „Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit sind unsere Fähigkeiten heute so groß wie unsere Sehnsüchte und Wünsche. Der technische Fortschritt bietet uns die Möglichkeit, den Lebensstandard jedes Menschen auf der Erde deutlich zu verbessern.“

Ist das Science-Fiction? Ja. Aber im besten Sinne. Jede beschriebene technische Entwicklung ist mit den universell gültigen physikalischen Gesetzen vereinbar. Wir müssen für die folgenden Szenarien keine neue Physik erfinden. Keine neuen Naturkonstanten werden eingeführt, damit die Rechnung am Ende aufgeht und eine schwarze Zahl unter dem Strich steht.

Welche Vorhersagen eintraten

Kaku hat genau studiert, welche Vorhersagen vor 50, 70 und 100 Jahren gemacht wurden und welche davon eingetroffen sind. Dabei hat er festgestellt, dass immer die Forscher richtig lagen, die bereits bestehende Techniken in die Zukunft verlängert und weitergedacht haben. Immer nach dem Motto: Wo haben wir schon einen Schritt in die richtige Richtung gemacht?

Kaku scheut aber auch nicht davor zurück, immer wieder auf Science-Fiction-Serien wie „Raumschiff Enterprise“ hinzuweisen, deren Schöpfer offenbar häufig auf der richtigen Spur waren, wenn es um Voraussagen für die Zukunft ging. Können Sie sich an den sogenannten „Tricorder“ erinnern? Mit dem piepsenden Diagnosegerät hat „Pille“, der Schiffsarzt der „Enterprise“, berührungslos seine Patienten untersucht. In Zukunft werden wir über ein ähnliches Gerät verfügen, wenn die Forschung so weitermacht. Die gewaltigen Computertomografen werden auf die Größe von Smartphones zusammenschrumpfen und zum wichtigsten Utensil der Alltagsmedizin.

Willkommen an Bord der „Enterprise“. Machen wir uns auf die Reise in die Zukunft der Menschheit, die unsere Kinder wahrscheinlich noch erleben werden. Denn laut einer Voraussage der befragten Forscher wird der Mensch seine Lebenszeit in naher Zukunft dramatisch verlängern. Wunderbar, denn in der Welt der Zukunft sind die Aussichten einfach überwältigend.

Ist der Mensch der Zukunft unsterblich?

Zumindest werden wir das Altern in 100 Jahren erheblich verlangsamen können und die unbequemen Auswirkungen nicht mehr so drastisch spüren. Noch optimistischer ist Informatiker Gerald Sussman: „Ich fürchte, dass ich zur letzten Generation gehöre, die noch sterben muss.“ Aber wie kann das möglich sein? Helfen sollen die Wunder der Biotechnologie. Ein wichtiger Schlüssel für diese neuen Möglichkeiten der Medizin ist die Entschlüsselung der menschlichen DNA.

Der Physiker Francis Crick und der Genetiker James Watson lasen im Jahr 1953 als erste Forscher den Code der DNA als Abfolge von Nukleinsäuren. Das Buch des Lebens war aufgeschlagen. Seitdem ging es rasend schnell, und es wird nicht mehr lange dauern, bis jeder Mensch das Buch seines eigenen Lebens auf einer DVD mit sich herumtragen kann.

Bereits um das Jahr 2050 kann es dann möglich sein, den eigenen Alterungsprozess aktiv zu steuern. Defekte Gene werden schneller repariert und so das Leben der Zellen verlängert. Helfen kann dabei eine Reduzierung der Kalorienzufuhr, ohne die Nachteile wie Hunger und Lethargie in Kauf zu nehmen. Um unsere Jugend in Zukunft länger zu erhalten, sind fünf Punkte wichtig, an denen derzeit intensiv geforscht wird:

1. Die Züchtung gesunder Organe, die erkrankte Organe ersetzen können.

2. Die Anregung des Selbstheilungsprozesses von erkrankten Zellen.

3. Die gezielte Aktivierung von Genen, die den Alterungsprozess verlangsamen.

4. Ein gesünderer Lebenswandel.

5. Die frühe Erkennung von Krebs.

Doch die eigene Natur steht dem Menschen auf dem Weg zur Unsterblichkeit im Wege. Denn dass der Mensch im Laufe der Evolution immer sterblich geblieben ist, hat seinen Grund. Entwicklungsgeschichtlich ist der Tod für die Gemeinschaft von Vorteil. Denn nach ihren fruchtbaren Jahren werden Tiere irgendwann zur Belastung für die Herde. Sie sterben – und verbessern so die Chancen der eigenen Nachkommen zu überleben. Doch eine Neuprogrammierung dieser evolutionären Gegebenheiten und eine dramatische Steigerung der Lebenserwartung scheinen möglich.

Ist das ewige Leben überhaupt wünschenswert?

Wird unsere Erde nicht unter der Last der Menschen zusammenbrechen? Die Forscher haben einige Gegenargumente für dieses populäre Untergangsszenario gefunden: Wahrscheinlich werden die Menschen der Zukunft viel weniger Kinder bekommen. Das ist heute schon in Europa und Japan der Fall. „Das stärkste Verhütungsmittel der Welt ist der Wohlstand“, schreibt Kaku und schätzt, dass die Weltbevölkerung nicht ewig rasant weiter wachsen wird, sondern sich im Jahr 2100 auf dem Niveau von etwa elf Milliarden Menschen stabilisieren wird.

Derzeit leben etwa sieben Milliarden Menschen auf der Erde. Auch Bill Gates, Mitbegründer von Microsoft, ist dieser Meinung: „Das Beste, was man tun kann, um das Bevölkerungswachstum zu bremsen, ist, den Gesundheitszustand der betreffenden Menschen zu verbessern. Da, wo die Leute gesünder werden, bekommen sie innerhalb einer halben Generation auch weniger Kinder.“

Die Ernährung der vielen Menschen könnte ebenfalls gesichert sein, wenn wir in Zukunft bereit wären, gentechnisch veränderte Lebensmittel zu akzeptieren. Derzeit wird über die Gentechnik in Lebensmitteln noch erbittert gestritten und aus einer vielversprechenden Technik eine Weltanschauungsfrage gemacht.

Gentechnisch veränderte Lebensmittel

Wahrscheinlich wird sich die Gentechnik am Ende trotzdem durchsetzen. Genauer gesagt, sie hat sich schon durchgesetzt. Genetisch modifizierte Organismen sind die am schnellsten wachsende neue Technologie in der Landwirtschaft. Auf 38 Prozent aller Landflächen der Erde werden derzeit Lebensmittel angebaut. In den 60er-Jahren hätten wir für dieselbe Menge Nahrung noch 80 Prozent der Erdfläche gebraucht. Wir lernen dazu. Und das immer schneller.

Ein Professor für Gesundheitswesen an der Columbia University in New York hat noch eine Lösung für Ernährungsprobleme parat: vertikale Farmen in Form von Wolkenkratzern. Die Studenten von Dickson Despommier haben ausgerechnet, dass 150 vertikale Farmen, die als Hydrokulturen betrieben werden, ausreichten, um New York City mit Nahrung zu versorgen. Parabolspiegel versorgen die Pflanzen mit Sonnenlicht, nachts übernehmen Wärmelampen.

Fast drei Viertel des Endpreises von Nahrungsmitteln entstehen durch Lagerung, Transport und Versand. Der Kopfsalat aus vertikalen Farmen könnte sich seine Reisekosten sparen. In Japan werden bereits „Pflanzenfabriken“ betrieben, in denen die Angestellten bis zu 20 Mal im Jahr Salat ernten. Auch in Schweden, China und Singapur wird an solchen Anbaubetriebe gearbeitet.

Jeder Tag beginnt mit einem Gesundheitscheck

Ein ganz normaler Tag in der Zukunft beginnt mit einem automatischen Gesundheitscheck: Schon beim Zähneputzen im Bad wird der menschliche Körper von Sensoren gescannt. Vielleicht direkt vom Hightech-Badezimmerspiegel. Besonders das Gen p53 wird dabei genau unter die Lupe genommen. Denn fast an der Hälfte aller häufigen Krebsarten ist eine Mutation an diesem Gen beteiligt. Sollte es Hinweise auf Krebs geben, werden sofort Nanopartikel in den Körper injiziert, die die Krebszellen direkt ausschalten.

Nach der Morgentoilette erhalten Sie in Zukunft direkt detaillierte Informationen über ihren Gesundheitszustand. Sollte ein Organ erkrankt sein, wird direkt ein neues bestellt, gezüchtet aus Ihren eigenen Zellen. Der Mediziner ist ein intelligentes Computerprogramm, das jede Krankheit diagnostizieren kann. Besser als jeder Arzt aus Fleisch und Blut. Wenn Sie wollen, können Sie jederzeit direkt mit ihm sprechen. Er wird einfach als Hologramm in Ihre Wohnung projiziert. Nur bei unerklärlichen Phänomenen wird ein „echter“ Arzt direkt mit seinem Patienten kommunizieren. „Direkt“ heißt in diesem Fall: per Videotelefon.

Für die perfekte medizinische Versorgung der Zukunft wird die Stammzellenforschung besonders wichtig sein. Denn Stammzellen haben die Fähigkeit, sich in jeden Zelltyp des menschlichen Körpers zu verwandeln. Sehr viele Krankheiten werden durch ihren Einsatz heilbar. Auch so komplizierte Krankheitsbilder wie Krebs im frühen Stadium und Rückenmarksverletzungen.

Forscher lassen Fingerspitzen nachwachsen

Stephen Badylak von der University of Pittsburgh ist es gelungen, mit der Hilfe von Stammzellen Fingerspitzen nachwachsen zu lassen, die abgeschnitten waren. Ein Zentimeter Gewebe und der Fingernagel konnten bereits regeneriert werden. Sein nächstes Ziel ist es, ein ganzes menschliches Glied nachwachsen zu lassen. Er hat sich lange und intensiv mit Eidechsen beschäftigt, bei denen ein verlorener Schwanz nachwächst.

Anthony Atala ist Gewebeforscher an der Wake Forest University und schon einen Schritt weiter: „Die Zahl der Patienten, die auf der Warteliste für Organtransplantation stehen, hat sich in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt. Die Anzahl der Transplantationen blieb gleich. Wir konnten bisher bereits menschliche Ohren, Finger, Harnröhren und Herzklappen im Labor züchten.“ Sein nächstes Projekt ist das Züchten einer Niere. Sie ist eines der kompliziertesten menschlichen Organe. Er hofft dabei auf eine Technik, die gerade dramatische Vorschritte macht: das 3-D-Druckverfahren.

Es ist ein alter Menschheitstraum, alle Krankheiten und das Alter zu besiegen. So ganz und endgültig wird das wahrscheinlich nie gelingen. Dafür ist der Gegner zu schlau und mächtig. Wir leben in einem Meer von Bakterien und Viren, die sich rasend schnell verändern. Und auf diese Veränderungen müssen wir uns immer wieder einstellen. Bis heute haben wir es trotz großer Bemühungen noch nicht einmal geschafft, das Rhinovirus zu besiegen. Der Schnupfen wird uns wohl für alle Zeiten verfolgen.

Die Zukunft der Energie

Fossile Brennstoffe gehen zu Ende. Irgendwann. Das steht fest. Viele Weltuntergangsszenarien haben mit diesem misslichen Umstand zu tun. Auch wenn gerade in den USA sehr erfolgreich neue Methoden zum Abbau immer neuer Reserven angewendet werden. Aber trotzdem sind die Aussichten nicht so schlecht, wie manche vermuten. Denn es gibt Alternativen. „Das Steinzeitalter endete nicht, weil es keine Steine mehr gab. Und das Ölzeitalter wird enden, lange bevor der Welt das Öl ausgeht“, sagt James Canton, Leiter der in San Francisco ansässigen Denkfabrik Institute for Global Futures.

Aber wo versteckt sich diese Energie der Zukunft? Am Himmel! In den Sternen! In diesem Jahrhundert werden wir die Energie der Sterne anzapfen, schreibt Kaku, also die der Sonne zum Beispiel. Eine andere Hoffnung ist drastische Energieeinsparung. Durch Magnetismus etwa werden Autos, Züge und Skateboards in Zukunft reibungslos durch die Luft gleiten. Der Energieverbrauch würde drastisch sinken.

Der Verbrauch von fossilen Brennstoffen verändert gerade unser Klima. Über das Ausmaß und die Gefährlichkeit streiten die Experten. Die Gefahren sieht auch Kaku, weil diese Methode der Energiegewinnung derzeit immer noch die günstigste ist. Besonders tief gelegene Gebiete wie das Mekongdelta in Vietnam, das Gangesdelta in Bangladesch oder das Nildelta sind durch den Anstieg des Meerwasserspiegels gefährdet. Doch Kaku sieht auch hier einen Ausweg: Mitte des Jahrhunderts sollten wir dank einer Kombination aus Kernfusion, Sonnenenergie und erneuerbaren Energien die Erwärmung stoppen können.

Umweltfreudliche Kernfusion wird ab 2030 Wirklichkeit

Die Energie, die bei einer Kernfusion frei wird, ist gewaltig – und nicht zu verwechseln mit der Kernspaltung, die wir in Deutschland gerade abgeschafft haben. Der Treibstoff für die Fusion ist Wasser. Ein Viertelliter davon enthält genauso viel Energie wie 500.000 Barrel Petroleum. Durch Kernfusion wird das gesamte Universum mit Energie versorgt. Wasserstoffgas wird unter gewaltigem Druck erhitzt, bis die Atomkerne miteinander verschmelzen. Diese Naturgewalt lässt auch die Sterne strahlen.

Bis heute ist es immer nur bei der Ankündigung dieser sagenhaften Technik geblieben. Kaku geht davon aus, dass im Jahr 2030 endlich die Zeit dafür gekommen ist. Fusionsreaktoren werden entstehen, die umweltfreundlich betrieben werden können, weil kaum Abfall entsteht und es nicht die Gefahr einer Kernschmelze gibt. „Wir wissen inzwischen, dass eine Fusion funktioniert. Die Frage ist nur, ob sie sich rechnet“, sagt David E. Baldwin von General Atomics, der einen der größten Reaktoren beaufsichtigt. Doch das scheint nur eine Frage der Zeit zu sein.

Forscher des Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrums haben ausgerechnet, dass der Energieverbrauch der Welt für alle Zeiten gedeckt wäre, wenn wir es schaffen würden, die Energie der Sonnenstrahlung anzuzapfen, die die Wüste in Nordafrika jeden Tag abbekommt. Afrika wäre auf einen Schlag größter Energieexporteur der Welt. Die Leistung von Fotovoltaik-Anlagen, die aus Sonne Strom machen können, nimmt immer schneller zu. Die Kosten sinken durch bessere Herstellungstechniken.

Vielleicht haben Sie keine Lust, Ihr Hausdach mit hässlichen Sonnenkollektoren zu verschandeln. Dann gibt es wahrscheinlich schon bald eine Lösung. „Statt dass Sie Ihr ganzes Dach zur Fotovoltaik-Zelle umbauen müssen, genügen in Zukunft kleine Antennen, die die Photonen anziehen“, sagt Dr. Michael Strand, Leiter eines Forschungsteams. Vielleicht werden aus unseren Fenstern und Hauswänden Sonnenkollektoren, die auch aus künstlichem Licht Strom machen können.

Magnetautos gleiten widerstandslos über den Boden

In fernerer Zukunft liegt das Zeitalter des Magnetismus. Der größte Teil unserer Energie wird heute lediglich dazu verwendet, Reibungskräfte zu überwinden. Reibung zwischen Straßenbelag und Rädern, zwischen Karosserie und Luft. Bei Magnetautos wäre das anders. Einmal angeschoben, gleiten sie widerstandslos über den Boden, wenn auch der Luftwiderstand bleibt.

Lösungen für diese Technik liefert die Supraleitung. Die Kosten dafür sinken gerade rasant, und man muss die Umgebung nicht mehr so stark kühlen wie noch vor ein paar Jahren. Mit Supraleitungen könnten wir sehr starke, permanente Magnetfelder erzeugen. Im Labor kann man damit bereits Gegenstände zum Schweben bringen. Auf Youtube gibt es hübsche Videos zu diesem Thema. Bis zum „Hoverboard“ aus dem Film „Zurück in die Zukunft“, einem Skateboard, das scheinbar schwerelos durch die Luft gleitet, ist es also nicht mehr so weit, wie wir annehmen.

Zum Ende des Jahrhunderts könnte unsere Energie schließlich aus dem All kommen. Satelliten sollen in der Umlaufbahn die Sonnenstrahlung auffangen, bündeln und dann auf die Erde schicken. Schon jetzt spricht technisch nichts gegen diese Technik. Nur die hohen Kosten, um Satelliten in die Umlaufbahn zu bringen.

„Die Solarenergieproduktion im Weltraum könnte eine wichtige alternative Energiequelle sein, wenn fossile Brennstoffe verschwinden“, meint Kensuke Kanekiyo vom Institut für Energiewirtschaft, das im Auftrag der japanischen Regierung forscht. Für diese Pläne braucht es allerdings eine neue Generation von wirtschaftlichen Trägerraketen, die die Kosten senken.

Der Mensch ist in Zukunft also nicht auf fossile Brennstoffe angewiesen. Die größte Energiequelle leuchtet jede Nacht am Sternenhimmel über uns. Wir müssen nur noch lernen, sie anzuzapfen.

Die Zukunft der Roboter und Computer

Das Tempo der modernen Welt wird vom Tempo der Computer bestimmt. Und deren Geschwindigkeit nimmt stetig zu. Die Rechenkapazität von Computern verdoppelt sich etwa alle 18 Monate. Computerspielkonsolen besitzen heute mehr Rechenleistung als die Großrechner in vergangenen Jahrzehnten.

Ein Smartphone verfügt über mehr Leistung als die Nasa im Jahr der Mondlandung 1969. In Zukunft werden wir von Computern umzingelt sein. Sie sehen allerdings anders aus oder sind überhaupt nicht mehr als Computer zu erkennen. In jedem Gegenstand, jeder Wand, jeder Tapete, in allem, was uns umgibt wird sich ein rechnender Chip befinden, der mit dem Internet verbunden ist.

Unsere Umgebung wird intelligent. Ein Raum wird bemerken, wenn Sie ihn betreten, und er wird dafür sorgen, dass an den richtigen Stellen das Licht angeht und eine vernünftige Temperatur herrscht. Computer gehen in unserer Umgebung auf und werden unsichtbar und lautlos unsere Befehle ausführen, weil wir sie mit unseren Gedanken steuern.

Auch Autos werden intelligent. Sie fahren, vom Computer gelenkt, ohne Lenkrad und Fahrer zu ihrem Ziel. Die Insassen können sich entspannen, sich unterhalten oder einen Film schauen. Unfälle und Staus gehören der Vergangenheit an. GPS-Systeme und Radar sorgen für freie Fahrt und lenken sicherer durch den Verkehr der Zukunft, als es ein Mensch jemals könnte.

Das Telefon wird durch Telepräsenz ersetzt

Unsere Gesprächspartner erscheinen als 3-D-Hologramme, die mit uns an einem Tisch oder auf dem Sofa sitzen. Zum Glück gibt es einen Universalübersetzer, der dafür sorgt, dass Sie sich mit Menschen aus aller Welt unterhalten können.

Am Ende dieser rasanten Entwicklung wird der menschliche Geist in der Lage sein, Objekte in der Umgebung zu beherrschen, und der Computer wird in jeder Millisekunde unsere Wünsche lesen können – noch bevor sie uns bewusst werden. Wir erschaffen uns in jedem Moment unseres Lebens eine individuelle Umwelt. Eine Mischung aus virtueller und realer Welt. Objekte tragen neben einem Chip einen winzigen Supraleiter in sich, der magnetische Pulse erzeugt. Dadurch lassen sich Dinge allein mit der Kraft unserer Gedanken durch den Raum bewegen. Auch Roboter und Avatare.

Die Intelligenz von Robotern und Maschinen nimmt stetig zu. Eine menschliche Gestalt werden sie wohl nicht annehmen. Ihre Form verändert sich je nach Aufgabe, weil sie aus Modulen bestehen, die sich in immer neuen Formen zusammensetzen. So können sie verschiedenste Aufgaben für die Menschen erledigen. Sie reparieren die Infrastruktur der Städte. Rohrsysteme, Leitungen, Straßen und Brücken. Sie werden als Chirurg, Koch oder Musiker eingesetzt. Überall, wo größte Präzision gefragt ist. In Japan gibt es jetzt schon einen Roboterkoch, der Fast-Food-Gerichte zubereiten kann, und einen Roboter, der sehr gut Flöte spielt.

Simulation des menschlichen Gehirns

Das menschliche Gehirn ist im Gegensatz zum Computer unendlich langsam. Aber es kann Dinge, die dem Computern schwerfallen: Es behandelt viele Probleme gleichzeitig, es kann sehr schnell Muster erkennen, und es lernt ununterbrochen. Trotzdem sind die führenden Forscher auf diesem Gebiet sicher, dass Mitte des Jahrhunderts genügend Rechenleistung zur Verfügung steht, um das menschliche Gehirn zu simulieren. Bis jetzt haben wir allerdings noch nicht einmal vollständig verstanden, wie der Mensch denkt. Wir wissen nicht, wie ein Wurm funktioniert, obwohl die Lage sämtlicher Neuronen in seinem Nervensystem kartografiert ist.

Auch auf die Frage, wann Computer eine Art Bewusstsein entwickeln könnten, gibt es keine Antwort oder Vorhersage. Bis jetzt ist noch nicht einmal geklärt, was Bewusstsein eigentlich ist. Ein paar Dinge gehören wohl dazu: detailliertes Wahrnehmen der Umwelt, Selbstwahrnehmung, lautlos mit sich selber sprechen, Interaktion und vorausschauendes Handeln. In diesen Disziplinen sind Computer bis heute eher schlecht.

Ist es trotzdem denkbar, dass wir gerade an unserem Nachfolger in der Evolutionskette basteln? Werden uns die Computer überflügeln und irgendwann intelligenter als der Mensch sein? Wird am Ende die Erde zu einem gigantischen Supercomputer, weil die Maschinen die Macht übernehmen? Es gibt Forscher, die sich so ein Szenario ernsthaft vorstellen können. Danach werden unsere Computer am Ende ins All hinausziehen und andere Planeten, Sterne und Galaxien in Supercomputer verwandeln.

Computer, weit über menschlicher Leistungsfähigkeit

Prominenter Vertreter dieser eher abstrakt erscheinenden Idee ist der bekannte Unternehmer, Erfinder und Bestseller-Autor Ray Kurzweil. Ein Mann, der nicht gerade als Spinner gilt und quasi nebenbei den Synthesizer erfunden hat. Kurzweil meint, dass bereits im Jahr 2045 intelligente Computer sich selbst reproduzieren und die menschliche Leistungsfähigkeit weit übertreffen werden.

Mit ihrem unstillbaren Appetit nach immer mehr Energie verschlingen sie irgendwann alles und beeinflussen die Geschichte des Universums. Er nennt das „Singularität“. Inzwischen wurde eine Universität im kalifornischen Silicon Valley gegründet, die sich mit genau dieser Frage auseinandersetzt.

Eine andere Denkrichtung geht davon aus, dass der Mensch mit der Maschine verschmelzen wird. Unser Gehirn verbessert durch eine zusätzliche Schicht von Neuronen seine Leistungsfähigkeit. Ein erster matter Abglanz dieser Technik ist eine Brille, die uns Daten, Zahlen, den richtigen Weg und eine Gesichtserkennung direkt auf die Netzhaut projizieren kann. Dazu kommen elektronische Bauteile, die dem menschlichen Körper übernatürliche Fähigkeiten verleihen.

Vielleicht entledigen wir uns irgendwann komplett unserer plumpen Körper, und der menschliche Geist wird zu einem Computerprogramm, das man auf verschiedene Maschinen herunterladen kann.

Die Zukunft der Dinge

Was unterscheidet den Menschen von den meisten Tieren? Unter anderem, dass der Mensch alle Arten von Werkzeugen benutzt. Durch Pfeil und Bogen, später die Beherrschung von Schusswaffen, konnten immer mehr Menschen mit Nahrung versorgt werden. Die Hütten aus Lehm und Stroh wurden mit der Metall-Herstellung von größeren, solideren Gebäuden abgelöst.

Bereits jetzt steht uns das mächtigste Werkzeug zur Verfügung, das Menschen jemals besessen haben. Wir sind in der Lage, einzelne Atome, also den Grundbaustoff aller Dinge, die uns umgeben, zu manipulieren. So ist heute etwa die Produktion von Materialien denkbar, von denen wir bisher nur geträumt haben: Sie werden immer leichter, stärker, können mit neuen elektrischen und magnetischen Eigenschaften ausgestattet werden.

Per Rasterelektronenmikroskop lassen sich einzelne Atome beobachten und manipulieren. Noch vor wenigen Jahren erschien es ausgeschlossen, jemals ein Atom beobachten zu können. Jetzt können wir sogar mit ihnen spielen. Bei IBM in San Jose basteln Wissenschaftler aus einzelnen Atomen primitive Maschinen. Mit einer mikroskopischen Pinzette ist es möglich, ein einzelnes Atom an eine andere Stelle zu bewegen und zum Beispiel den Schriftzug IBM zu bauen.

Nanotechnologie eröffnet fantastische Möglichkeiten

Auch die US-Regierung glaubt an die Nanotechnologie in fast allen Bereichen der Wirtschaft und hat im Jahr 2009 1,5 Milliarden Dollar für die Forschung zur Verfügung gestellt. Wenn man Kaku folgt, hat sie gute Gründe dafür: „Mithilfe der Nanotechnologie ließe sich vielleicht bis Ende des Jahrhunderts eine Maschine bauen, die alles aus fast nichts schaffen kann.“

In der Medizin gäbe es für Nanogeräte sicherlich sinnvollere Einsatzgebiete. Moleküle, die aus Nanopartikeln bestehen, könnten Antikrebsmedikamente im menschlichen Körper an den Einsatzort bringen. So ließen sich die Nebenwirkungen der Chemotherapie, die auch gesunde Zellen angreift, eingrenzen. Nanopartikel würden von normalen Blutzellen abprallen und nicht in sie eindringen, weil sie zu groß dafür sind. Krebszellen weisen große, unregelmäßige Poren auf. Eine perfekte Angriffsfläche. Dort würden die Partikel gezielt die Wirkstoffe freisetzen.

Eine weitere medizinische Einsatzvariante ist das sogenannte „Nanoauto“, an dem jetzt schon geforscht wird. Ziel ist es, die Chirurgie komplett abzuschaffen. Reparaturarbeiten werden durch diese Nanoautos direkt im menschlichen Körper erledigt. Sie werden von Magneten durch unseren Blutstrom direkt zum erkrankten Organ gelenkt und führen hier operative Eingriffe aus.

Forscher bei Intel arbeiten daran, die Gestalt der Dinge auf Knopfdruck zu verändern. Computerchips in der Größe eines Sandkorns richten sich durch elektrische Ladungen aus und nehmen so unterschiedlichste Gestalt an. Wenn Ihnen ihr Handy zu groß für ihre Jackentasche ist, verkleinert es sich. Oder es entfaltet sich zu einem Bildschirm, auf dem Sie einen Film anschauen können. Schon jetzt denken Autodesigner darüber nach, wie man aus einem familienfreundlichen Kombi per Schalter ein Sportcoupé für das Wochenende machen kann.

Eine Software verändert die Gestalt von Möbel

Am Ende dieser Entwicklung steht die programmierbare Materie. Software bestimmt die Gestalt der Dinge. Unsere Umgebung wird die gewünschte Form annehmen, bevor wir darüber nachdenken, weil ein Computer unsere Gedanken liest und die Ausrichtung der Materie bestimmt. Wenn ein Möbelstück nicht mehr gefällt oder die Waschmaschine nicht mehr funktioniert, laden Sie eine neue Software herunter, die die Materie zu einem neuen, besseren Gerät programmiert. Kaku glaubt, dass man in Zukunft sogar ganze Häuser und Städte auf Knopfdruck entstehen lassen kann. Man muss nur noch die Lage festlegen und die Fundamente vorbereiten.

Besonders mutige Forscher halten es für möglich, dass Ende des Jahrhunderts eine universelle Maschine entsteht, die sie „Replikator“ genannt haben. Der „Replikator“ setzt alle denkbaren Produkte aus einzelnen Atomen und Molekülen zusammen. Dazu braucht es Nanoroboter, die sich selber reproduzieren können.

Klingt unglaublich, kommt aber in der Natur vor. Die Darmbakterien des Menschen reproduzieren sich in nerhalb von zehn Stunden selbst. Die Nanoroboter müssen dann Moleküle identifizieren und an bestimmten Stellen platzieren. Und dafür ordnen sie eine astronomische Anzahl von Atomen nach einem Masterplan neu an. Diese Nanobots sind derzeit noch nicht in Sichtweite.

Und es gibt natürlich Forscher, die energisch bestreiten, dass es diese Universalmaschinen jemals geben kann. Aber denken Sie an die Kraft des exponentiellen Wachstums. Und die mächtige Idee, dass wir in Zukunft alle Materie per Gedankenkraft beherrschen, wird dafür sorgen, dass wir vielleicht viel schneller eine Art „Replikator“ entwickeln können, als wir heute glauben.

Die Zukunft der Menschheit

Wohin gehen wir? Was ist das Ziel dieser Entwicklungen? Kaku ist sich sicher: All diese technischen Neuerungen führen die Menschheit auf den Weg in eine planetarische Zivilisation. Das heißt, dass wir auf unserem Planeten zusammenrücken. Wir werden uns ähnlicher. Wohlstand wird gleichmäßiger verteilt sein, Ländergrenzen lösen sich langsam auf.

Das Internet ist ein mächtiger Beschleuniger dieser Entwicklung zu einer planetaren Zivilisation. Wir können uns zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit in Echtzeit rund um den Erdball austauschen. Per Twitter unterhält man sich über alle Grenzen hinweg in jeder Sekunde. Ideen werden per Link in Lichtgeschwindigkeit ausgetauscht, verbessert und umgesetzt. Als planetare Sprachen nutzen wir jetzt schon Englisch und Chinesisch.

In der Wirtschaft sprechen wir von der Globalisierung – leider häufig nur im negativen Sinn. Kein Land kann es sich mehr erlauben, seine Wirtschaft isoliert zu betrachten und zu betreiben. Innerhalb einer Generation ist ein planetares Wirtschaftssystem entstanden. Rund um den Erdball wächst eine internationale Mittelschicht.

Auch die Menschen in China, Indien wollen so leben, wie sie es in vielen Filmen gesehen haben. Mit Doppelgarage, einer heißen Dusche, Flachbildfernseher im gemütlichen Wohnzimmer und Coffee to go auf dem Weg zur Arbeit. Ihr Ziel ist der Wohlstand, den wir in weiten Teilen Europas und Amerikas schon erreicht haben. Und sie sind auf einem guten Weg, dieses Ziel zu erreichen. Andere Länder werden folgen.

Die Kultur ist heute schon global. Junge Leute in Moskau, Berlin, New York und Tokio hören die gleiche Musik, kleiden sich ähnlich, konsumieren das gleiche Essen und sehen die gleichen Filme. Nachrichten, Sportereignisse, Umweltprobleme, Tourismus und Krankheiten sind längst globale Erscheinungen.

Am Ende könnte eine Weltregierung herrschen

Kriegführung wird immer schwieriger. Die Menschen haben heute mehr zu verlieren, die Familien sind kleiner und Nationalstaaten werden schwächer. Die Macht verlagert sich weg von National- und hin zu Zentralregierungen. In Europa ist diese Entwicklung in vollem Gange. Und wie man sieht, ist das kein einfacher Schritt. Aber gemeinsame Währung, Sprache und Kultur machen ihn unausweichlich. Am Ende dieser gesellschaftlichen Evolution kann schließlich so etwas wie eine Weltregierung stehen. Auch wenn Terroristen, religiöse Fundamentalisten oder Diktatoren etwas dagegen haben.

Diese Entfaltung kann sich sogar noch beschleunigen, wenn wir im All auf intelligentes Leben stoßen. Und dafür gibt es einige Hinweise. Kaku geht davon aus, dass wir noch in diesem Jahrhundert auf Grund der rasanten technischen Entwicklung eine fortgeschrittene Zivilisation im All entdecken. Eine direkte Kommunikation wäre wegen der gigantischen Entfernung allerdings unmöglich. Dafür ist dann auch die Kriegsführung nicht ganz einfach. Wieder keine Chance für Weltuntergangspropheten.

Unsere Zivilisation lässt sich sehr gut anhand des Energieverbrauchs beschreiben. Der Mensch lebte Jahrtausende durch die Kraft seiner zwei Hände. Es war die meiste Zeit der Menschheit ein kurzes und brutales Leben. Das Ende der Eiszeit vor 10.000 Jahren ermöglichte endlich die Landwirtschaft mit Rindern und Pferden. Dadurch gab es genug Energie für die Ernährung von mehr Menschen und die Gründung von Dörfern und Städten. Vor 300 Jahren erlebte der Mensch die industrielle Revolution. Maschinen lieferten noch mehr Energie. Zukünftige Generationen werden die Energie der Sonne, der Sterne und schließlich der gesamten Galaxie nutzen.

Internet als größter Wissensspeicher aller Zeiten

Heute entstehen Reichtum und Wohlstand aus Information. Davon gibt es derzeit mehr, als wir verarbeiten können. Schon bald wird der Speicherplatz nicht mehr ausreichen, um all die Daten zu verarbeiten, die wir in nie da gewesener Menge weltweit produzieren. Der Zugang zum Internet ist mittlerweile für fast jeden erschwinglich. In Afrika wächst die Flächenabdeckung von drahtlosen Netzen exponentiell. Noch in diesem Jahr werden 70 Prozent der Fläche versorgt sein.

Und bis Ende des Jahres ist der größte Teil der Menschheit an das Internet angeschlossen und damit an das universelle Kommunikationsnetz und den größten Wissensspeicher aller Zeiten. Diese Vernetzung kann ein Schlüssel für all die Entwicklungen sein, die Kaku in seinem Buch nachzeichnet. Eines lässt sich allerdings nicht technisch herstellen: menschliche Vernunft. Die müssen die Menschen zum Gelingen einer besseren Zukunft selbst beitragen.

Was meinen Sie? Glauben Sie, dass aus den Szenarien des Michio Kaku irgendwann Wirklichkeit wird? Wird alles genau so eintreffen, wie er es in seinen Büchern entworfen hat? Vielleicht ist das im Detail gar nicht so entscheidend. Der Autor und Wissenschaftler zeigt uns verschiedene Wege in die Zukunft auf, die die Menschheit zur Abwechslung mal nicht unwillkürlich in die Katastrophe führen müssen. Damit trifft er allerdings auf eine Gesellschaft, in der es in vielen Milieus zum guten Ton gehört, sich eher technik- und fortschrittskritisch zu geben. Wenn in Deutschland drei Minuten über das Internet diskutiert wird, ist man leider häufig schon beim Datenschutz oder Facebook-Mobbing angelangt.

Eine sachliche Gesprächsrunde über Vorteile der Gentechnik bei der Produktion von Lebensmitteln scheint in Deutschland ausgeschlossen. Kürzlich vermeldete die saarländische Landesregierung den Beitritt des Landes zum „Europäischen Netzwerk gentechnikfreier Regionen“. Die Landesregierung will gemeinsam mit anderen „eine Strategie entwickeln, damit das Saarland auch in Zukunft eine gentechnikfreie Anbauregion bleibt“.

Auch die Länder Thüringen, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg haben sich dem Netzwerk angeschlossen. Ist das noch begründete Vorsicht oder schon Technologiefeindlichkeit? Eine Entscheidung gegen Gentechnik bedeutet auch, dass man unausgesprochen die Verknappung von Lebensmitteln hinnimmt. Das wird in dieser sehr emotional geführten Diskussion gern verschwiegen.

Nahrung gibt es offenbar genug – zumindest in Deutschland. Aber viele deutsche Wissenschaftsinstitutionen wie die Deutsche Forschungsgemeinschaft oder die Fraunhofer-Gesellschaft haben sich mehrfach und nachdrücklich für die Nutzung von Gentechnik ausgesprochen. Bisher gibt es keine bessere Lösung, um die Erde mit ihren vielen Menschen zu ernähren.

Kaku ist nicht nur Wissenschaftler. Er ist auch ein trickreicher Sachbuchautor. Er hat ein paar ziemlich gute Aussichten für uns parat, und das verkauft sich ziemlich gut. Für viele Zeitgenossen mag das vielleicht der eine oder andere Löffel Optimismus zu viel sein. Aber er versammelt in seinem Buch „Die Physik der Zukunft“ ein paar sehr gute Gründe für seine zuversichtliche Grundhaltung.

Es tut gut, einem Wissenschaftler zuzuhören, der fest davon überzeugt ist, dass der Mensch mit seinem Instrumentarium in der Lage ist, die übermenschlichen Probleme zu lösen. Wir Menschen haben nichts anderes als unser Gehirn, unsere Vernunft und die Wissenschaft. Aber das ist schon eine ganze Menge.

Schwimmende Städte
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Das Seasteading Institut hat 2009 zu einem Wettbewerb aufgerufen, in dem die schwimmende Stadt der Zukunft entworfen werden sollte.

Foto: The Seasteading Institute

Quelle: http://www.welt.de/wissenschaft/article112447946/Die-Zukunft-der-Menschheit-wird-fantastisch.html

Preisdiskrimierung, Big Data und objektiv richtige Preise einer Ware aufgrund persönlicher Werteinschätzung

Amazon Echo schlägt Wellen

Netzwerklautsprecher mit integriertem Personal Assistant

Original: http://www.heise.de/newsticker/meldung/Amazon-Echo-Netzwerklautsprecher-mit-integriertem-Personal-Assistant-2443970.html?hg=1&hgi=3&hgf=false

Bild: Amazon.com

 

Amazon hat überraschend „Echo“ vorgestellt, einen Netzwerklautsprecher, der nicht nur Musik abspielt, sondern permanent lauscht und auf Zuruf Fragen beantwortet, die Todo-Liste ergänzt und mehr.

Die knapp 24 cm hohe schwarze Röhre mit einem Durchmesser von 8,3 cm „Amazon Echo“ ist einerseits ein über Bluetooth und WLAN verbundener Netzwerklautsprecher, der sich von Smartphone oder Tablet mit Musik von iTunes, Pandora und Spotify beschicken lässt. Andererseits wartet der mit Fernfeldmikrofonen und Spracherkennung ausgerüstete Echo auf Sprachkommandos. Dabei betont Amazon in dem Werbespot, dass man Echo nicht anbrüllen muss, sondern „überall im Raum gehört“ wird. Wie Apples „Siri“ und Googles „Ok, Google“ aktiviert ein offenbar wählbares Keyword – im Video „Alexa“ – den integrierten Personal Assistant. Alternativ soll man den Echo offenbar mit der dem Amazon Fire TV beiliegenden Voice Remote mit Mikrofontaste steuern können.

Laut Amazon gibt Echo Auskunft über das Wetter, buchstabiert Wörter, stellt den Wecker, spielt die Lieblingsmusik, rezitiert Wikipedia-Einträge, fügt der Einkaufsliste Einträge hinzu und so weiter. Das „Hirn“ von Echo sind die Amazon Web Services, über die ständig neue Kommandos ergänzt werden sollen.

Hochwertige Bass-Lautsprecher (2,5 Zoll) mit Bassreflex und Hochtöner (2 Zoll) versprechen klaren und verzerrungsfreien omnidirektionalen Klang. Über die Sprachsteuerung sollen sich Amazon (Prime) Music, iHeartRadio und TuneIn steuern lassen, während Musik von Spotify, iTunes und Pandora nur über Bluetooth von Mobilgeräten aus übertragen werden.

Amazon Echo gibt es vorerst nur in den USA zum Preis von 199 US-Dollar; Prime-Kunden müssen nur 99 US-Dollar bezahlen. Noch kann aber nicht jeder Echo kaufen. Interessenten müssen sich bewerben und bekommen eine Mail von Amazon, falls das Los auf sie fällt.

Fans von „Star Trek: The Next Generation“ („Computer … !?) werden ihre Freude an dem Gerät haben, wenn Echo das verspricht, was der Werbeclip von Amazon suggeriert. Auf Privatsphäre bedachte Naturen werden hingegen einen großen Bogen um den Lautsprecher machen und keinesfalls eine Amazon-Wanze im Wohnzimmer dulden – Microsoft kann ein Lied davon singen, man erinnere sich an das Horch und Guck der Xbox One. Ob es da hilft, dass Echo einen Schalter zum Deaktivieren des Mikrofon-Arrays besitzt, ist fraglich.

Doch was bezweckt Amazon mit dem Echo? Es wird ja kaum darum gehen, Eric Schmidt bloß zu beweisen, dass Amazon tatsächlich Googles größter Konkurrent ist. Sollte es wie beim Kindle (Fire) oder Fire TV (Stick) vor allem darum gehen, Amazons Inhalte besser an die Kunden zu bringen – also Bücher, Videos und Musik? Wohl kaum. Im Endeffekt dürfte es darum gehen, den Nutzern den perfekten Shopping-Assistenten an die Seite zu stellen, der die ausgesprochenen Wünsche direkt in dem Amazon-Einkaufskorb platziert …

Das liegt wohl an den grundverschiedenen Voraussetzungen. Star Trek
spielt aus menschlicher Sicht in einer Zukunft, in der die Existenz
des Individuums (zumindest der Spezies Mensch) ganz
selbstverständlich durch die allgemeinverfügbare Technik gesichert
ist. An der Stelle läßt sich die Technik wirklich nur noch gemäß der
Überzeugung der Spackeria (die sind seit NSA auch recht still
geworden) im Rahmen von Peinlichkeit gegen andere einsetzen. Heute
geht es dagegen darum, das Individuum bis an die Grenze der
(ökonomischen) Existenzfähigkeit auszupressen – und manchmal auch
darüber hinaus! (Source: http://www.heise.de/newsticker/foren/S-Re-Reaktion-der-Science-Fiction-Fans/forum-287951/msg-26049853/read/)

Die Zeit ergänzt: http://www.zeit.de/wirtschaft/2014-10/absolute-preisdiskriminierung

Jeder hat seinen Preis

Unendlich viele Preise für ein Produkt: Einer der größten kapitalistischen Träume ist gerade dabei, in Erfüllung zu gehen. Big Data macht es möglich

Konsum

Supermarkt  |  © dpa

Die Zeichen dafür, dass sich das kapitalistische Nirwana nähert, mehren sich. Florian Stahl sieht sie überall. Beim Einkauf im Netz, in den USA, in Deutschland. Beispielsweise kürzlich in New York, als sich der Professor für quantitatives Marketing an der Universität Mannheim bei Booking ausloggte, die Cookies löschte, dann seine Hotelanfrage noch einmal startete, diesmal anonym. Da war das gleiche Zimmer plötzlich günstiger. Weil der Algorithmus ihn nicht mehr identifizieren konnte, schlug er ihm einen anderen Preis vor. „Die Preismechanismen sind dabei, sich zu ändern“, sagt Stahl, „und zwar fundamental“.

Im Prenzlauer Berg, im Kaiser’s Supermarkt in der Winsstraße, wo sich Berlin früher zum Flirten traf, drängen sich die Kunden vor einem roten Ständer mit einem Bildschirm. Sie halten eine Karte vor den mannshohen Apparat. Weißes Licht streichelt ihre Hände, ihre Extrakarte wird gescannt, ein leises Summen begleitet das Erscheinen des Bons, darauf ihre Preisabschläge. Dann bin ich dran.

Ich checke ein in die Beta-Phase der dritten industriellen Revolution. Bald soll mich der Kaiser’s Algorithmus komplett verstehen, meine Wünsche vorhersagen können, noch aber kennt er mich nicht. Er hat bisher keinen einzigen Kassenzettel von mir gescannt, nur meine neue Extrakarte. Es ist ein Riesenerfolg in der Kundenkarten-Welt: Ein Drittel der Stammkäufer wurde in den ersten zwei Monaten seit der Einführung Nutzer. Mein Ausdruck zeigt „Ihre persönlichen Angebote heute“: Je 20 Prozent Abschlag für Harry Brot (noch nie gehört) und Bärenmarke Alpenfrische Vollmilch (dachte, die machen nur Kaffeesahne); für Barilla Nudeln gibt es 30 Prozent, für Ritter Sport und Lätta Margarine sogar 40.

Jeder zahlt einen anderen Preis

Hannes Grassegger ist Ökonom und schreibt unter anderem für "Brand Eins", DIE ZEIT oder die "NZZ". Er hat einen Essay über den Umgang mit dem neuen Datenkapitalismus veröffentlicht: "Das Kapital bin Ich"  |  © Kein & Aber

Hannes Grassegger ist Ökonom und schreibt unter anderem für „Brand Eins“, DIE ZEIT oder die „NZZ“. Er hat einen Essay über den Umgang mit dem neuen Datenkapitalismus veröffentlicht: „Das Kapital bin Ich“ | © Kein & Aber  |  © Kein & Aber

Vor gut hundert Jahren beobachtete Arthur Cecile Pigou, Professor in Cambridge, ein seltsames Phänomen: Er sah ins Herz des Kapitalismus und es war leer. Der Preis, um den sich die Marktwirtschaft als System der freien Preise dreht, existierte in Wahrheit gar nicht. In The Economics of Welfare von 1920 beschrieb Pigou seine Beobachtung im Kapitel Das spezielle Problem der Eisenbahntarife: Für eine identische Leistung, die gleiche Bahnfahrt von A nach B, zahlten Menschen freiwillig verschiedene Tarife, je nach Klasse. Pigou erkannte, was für die Ökonomie heute so elementar ist wie die Unschärferelation für die Physik: Es gibt keinen objektiv richtigen Preis einer Ware. Es gibt einzig persönliche Werteinschätzungen.

„Preisdiskriminierung“ nannte Pigou die Unterscheidung von Menschen nach den Preisen, die sie für das gleiche Produkt zu zahlen bereit sind. Für Händler ist sie eine wunderbare Möglichkeit, mehr für die gleiche Leistung zu kassieren. In der Vollendung der Preisdiskriminierung, der „Preisdiskriminierung ersten Grades“ könnten Anbieter, so Pigou, jedem einzelnen Käufer einen Höchstpreis für die Bahnfahrt setzen – und ihm so alles abnehmen, was er überhaupt zu zahlen bereit ist. Fortan lernte jeder Ökonomiestudent die totale Preisdiskriminierung als den heiligen Gral des Kapitalismus kennen.

An der Kaiser’s Kasse zeige ich die Extrakarte, piep!, registriert. Jeder Kauf verändert meine zukünftigen Preise: Ladenpreis minus persönlicher Rabatt. Erst einmal bin ich auf keines der Angebote eingegangen, weder Lätta noch Ritter Sport. Am Scanner hole ich mir den nächsten Bon. Wieder das gleiche Angebot. Dreimal muss ich da durch. Dann ist der Algorithmus angeblich soweit.

Personalisierte Angebote als letzte Möglichkeit, den Umsatz zu steigern

Fixe Preise schaffen einen versteckten Sozialvertrag, wie einheitliche Krankenkassenprämien. Hinter Einheitspreisen in Supermärkten, Bahnhöfen und Drogerien steckt ein Gesellschaftskonzept: Alle Käufer sollen gleich sein.
Einheitspreise schaffen Gewinner und Verlierer – dem einen ist etwas eigentlich mehr wert, dem nächsten ist es fast zu teuer. So subventionieren wir einander, vom Joghurtkauf bis zur Taxifahrt. Am meisten profitiert der Durchschnittsmensch. Im Massenmarkt seien personalisierte Preise bislang technisch unmöglich, sagt Florian Stahl, weil sie das Wissen über die Wertschätzung des Käufers für ein bestimmtes Produkt zu einem bestimmten Moment voraussetzten. In diese Wertschätzung könne theoretisch alles einfließen, bis hin zur Wetterlage, wie bei Eis oder Jacken. „Den individuellen Höchstpreis zu erkennen, ist eigentlich ein unendliches Problem“, sagt Stahl.

Lange entsprachen Preise im Alltag dem geschätzten Wert dessen, was unterschiedliche Käufer im Schnitt zu zahlen bereit waren. Bis die Computer kamen, das Internet, Facebook, Google, Scanner, Produkt-IDs, In-Store-Cams, Smartphones – ein Arsenal zur Datafizierung von Personen, deren Vorlieben, Verwandtschaftsverhältnissen, Jobs, Bewegungsmustern, Wertvorstellungen. Seit Kurzem gibt es nun Algorithmen, die die Daten zu dynamischen, individuellen Preisen zusammenrechnen können, wie zuerst die Flugpreise, dann die Hotelpreise, die Elektrizitätspreise und so weiter. Jetzt deutet sich an, dass sich alles herunterbrechen lässt auf den Einzelnen. Es ist, als ob ein Märchen wahr würde.

Das Klingelschild ist golden, Oderberger Straße 44, beste Lage im Prenzlauer Berg, direkt neben dem Modeladen Kauf Dich Glücklich. SO1 steht an der Klingel, kurz für Segment of One. Während in den USA mehr als die Hälfte aller Handelsunternehmen mit sogenannten Price Intelligence Verfahren und dynamischen Preisen experimentiert, jeder zwanzigste Preis bereits personalisiert ist, während die Preisschilder in Frankreich zunehmend durch Digitalanzeigen ersetzt werden, ist das Berliner Start-up SO1 einer der ersten deutschen Anbieter für totale Preisdiskriminierung.

Hier arbeiten 15 Statistiker, ITler, Ökonomen. Menschen, die Google und Henkel verlassen haben, um eine Vision Wirklichkeit werden zu lassen. Sie stecken hinter den roten Automaten in derzeit 30 Berliner Kaiser’s Testmärkten. Die Extrakarte sei eigentlich wie ein physischer Cookie, erklärt der junge Chef und Mitgründer Raimund Bau. SO1 trage die absolute Preisdifferenzierung aus dem Netz, wo Amazon oder Zalando längst so arbeiteten, in die Welt. Die Karten hätten eine anonyme Kundennummer, man brauche im Gegensatz zu anderen Kundenkarten keine persönlichen Informationen wie Namen oder Adresse. Darauf ist Bau stolz. Erfasst würden an der Kasse nur Kaufzeit, Produktnummer, Kartennummer und der gezahlte Preis. „Bei uns laufen die Daten aus den Kassen zusammen. Wir können beispielsweise identifizieren, wer ein Pepsikäufer ist, sogar wenn er nie Pepsi bei Kaiser’s gekauft hat.“ Das ergebe sich allein aus der erfassten Kombination gekaufter Produkte. Jedes Produkt sei ein statistischer Hinweis auf andere Produktvorlieben, so wie Weleda-Shampoo auf Bio-Obst hinweist.

Auf Basis der Wahrscheinlichkeiten, die aus Testmärkten bekannt seien, könnten nicht nur Vorlieben errechnet werden, so Bau, sondern auch die persönliche Zahlungsbereitschaft und Preissensibilität. „Wenn wir den Cola-Absatz erhöhen wollen, finden wir heraus, ob Du als Pepsi-Liebhaber für Cola ein potenzieller Kunde bist. Ob Du es wiederholt kaufen würdest, wenn Du es einmal ausprobierst. Wie viel wir Dir zahlen müssten, um Dich zum Cola-Kauf zu bringen.“ Lohne sich der Kunde für Cola, biete man ihm an den roten Automaten genau den passenden Preisnachlass für Cola. Resultat seien individuelle Preise.

Der gläserne Kunde

Heute arbeite SO1 noch mit Bons, bald werde vieles über Apps laufen, sagt Bau. „PayPal, Mastercard, Google arbeiten sicherlich an ähnlichen Methoden.“ Absolute Preisdiskriminierung sei eine weltweite Bewegung, die kaum aufzuhalten sei, weil in gesättigten Märkten wie dem Lebensmittelhandel der Preiswettkampf der einzige Weg sei, den Umsatz zu steigern. „Persil wäscht jetzt noch weißer“ ziehe nicht mehr, sagt Bau. Und altbekannte Promotionen via Coupons oder Rabattmarken hätten aufgrund der Streuung kaum Effekt. Sie würden vor allem von Leuten genutzt, die das Produkt sowieso kaufen würden. Die Extrakarte bringe dagegen pro Nutzer Umsatzsteigerungen im mittleren zweistelligen Prozentbereich. Für Bau eine Win-Win-Win-Win-Situation für Kunde, Händler, Produzent und SO1.

Das will sich auch IBM nicht entgehen lassen. Demandtec heißt die Software des Konzerns. Große Ketten, Lebensmittelhändler, Drogerien oder Baumärkte sollen sie nutzen, um ihre Preise auf Basis von persönlichen Kaufmustern, Konkurrenzpreisen oder anderen Einflüssen ständig zu optimieren. Das ermöglicht verschiedene Preise von Supermarkt zum Onlineshop zum Mobilgerät oder zwischen Gebieten. Eine zweite IBM-Software namens Xtify bietet Techniken, um Kunden jederzeit ortsbezogen mit Angeboten anzusprechen.

Alle Informationen werden zusammengenommen

Viele Geschäfte haben sich derweil zu veritablen Überwachungsdiensten entwickelt. Das Ziel: Kunden bis ins Detail ausforschen. In der Schweiz können die beiden führenden Supermarktketten Migros und Coop 80 Prozent aller Einkäufe Haushalten zuordnen, dank der Kundenkarten. Niemand weiß mehr über die Schweizer, über ihre Allergien, Aufenthaltsorte, Gewohnheiten, Familienstrukturen, Adressen. Bei der US-Kette Safeways nutzt fast die Hälfte aller Kunden eine App, die ihnen im Supermarkt spezifische Nachlässe anzeigt, beruhend auf der eigenen Shoppingvergangenheit. So entstehen personalisierte Preise.

Ich habe Harry Brot und Barilla Nudeln verbilligt gekauft. Die beiden Angebote fehlen jetzt auf dem dritten Ausdruck. Sonst ist alles beim Alten. Noch ein Einkauf, dann kann ich sehen, was der Kaiser’s Algorithmus von mir denkt. Ob er mir Cola anbietet?

„Von der Ernährung über die Mobilität bis zur Energieversorgung sind elementare Bereiche unseres Lebens von den neuen Preismodellen betroffen“, sagt der St. Galler Ökonom und Zukunftsforscher Joël Cachelin. Und diese Preise würden durch uns unbekannte und unüberprüfbare Kriterien bestimmt.

Alles wird verknüpft

Die für den Einzelnen bedrohlichste Möglichkeit wäre künftig die Verknüpfung aller Informationen über Firmen und Netzwerke hinweg. Jede unserer Handlungen und Äußerungen, auch vergangene, würde den Preis beeinflussen, den wir für etwas zahlen. Das Netz würde zu einer Art Credit History, wie Kritiker des neuen Facebook Werbedienstes Atlas befürchten.

In Dänemark bietet der Reiseveranstalter Spies derzeit schon Sonderpreise für Paare an, die in ihren Ferien nachweislich ein Kind zeugen. Der Werbegag ist ein Versuch, mit Preisen einem der größten Probleme Dänemarks zu begegnen: dem Mangel an Nachwuchs. Preise sind eines der wichtigsten Steuerungsmittel unserer Gesellschaft. Sie sind Politik. „Die Zeiten des Sozialvertrags im Preis gehen zu Ende“, sagt Florian Stahl. Zukünftig könnten Menschen sogar Identitäten tauschen, um niedrigere Preise zu zahlen.

Brotpreise starten Revolutionen. Was aber passiert mit einer Gesellschaft, deren Preissystem sich komplett ändert?

Nach dem dritten Einkauf gehe ich zum Automaten, um endlich mein persönliches Angebot zu erhalten. Das Licht des Scanners wärmt meine Hand. Mein Rabatt erscheint mit sanftem Summen. 20 Prozent auf Bärenmarke Milch, 40 Prozent auf Lätta Margarine.

Die Sueddeutsche schließt den Themenblock: http://www.sueddeutsche.de/digital/neues-produkt-echo-amazon-erfindet-den-lauschsprecher-1.2209840

Amazon erfindet den Lauschsprecher
Amazon Echo: Eine Dystopie in Zylinderform.

AmazonEchoDystopie

Die Gebrauchsanweisung für Amazons neues Produkt hat in ihrer deutschen Ausgabe 351 Seiten und erzählt nebenbei noch die Geschichte einer totalitären Diktatur. Es ist das Buch „1984“ von George Orwell – und das wichtigste Instrument in dieser Dystopie ist der Televisor, der bei allen Bürgern zu Hause fest installiert ist. Er hört alles, kann sprechen und dient auch als Fernseher.

Einen kleinen Unterschied gibt es allerdings: Ein Fernseher ist Amazons „Echo“ nicht und es bleibt auch jedem selbst überlassen, ob er die kleine, schicke, schwarze Säule bei sich zu Hause aufstellt, wo sie fortan auf Sprachkommando reagiert und ihrem Besitzer Fragen beantwortet. Wie zum Beispiel: Alexa, wie viel Uhr ist es? Alexa, wie buchstabiert man Mountainbike? Alexa, wie kocht man Bolognese? Das Codewort Alexa aktiviert Echo.

Das Gerät kann all das, weil es permanent mit dem Netz verbunden ist – und weil Echo offenbar alles hört, was um die kleine Säule herum gesprochen wird. Kein Hersteller hatte bislang die Chuzpe, dieses Gerät wirklich zu bauen und anzubieten. Amazon, der Lieferkonzern, hat die Chuzpe, unsere Gesellschaft zu verändern. Wenig innovative Buchhandlungen und Verlage zu ruinieren. Unseren Konsum zu protokollieren. Produkte will der Konzern seinen Kunden künftig per Drohne liefern – Amazon weiß schon, was gut für uns ist. Dieser Konzern also hat den Televisor gebaut. Herzlichen Glückwunsch!

Die Standleitung zu einem Amazon-Server

Und warum auch nicht. Die gesamte Umgebung um uns herum sammelt Daten. Unsere Handys sowieso, unsere Autos, Bankautomaten, Kassen, Kameras, öffentliche wie private, Payback-Karten, Webseiten, die wir besuchen. Dass Echo da so heraussticht, liegt an zwei Aspekten. Erstens: Echo soll im Wohn- und Schlafzimmer stehen. Das Gerät überwacht – oder bereichert – unser zu Hause. Zweitens: Echo ist, wie man es von Amazon kennt und erwartet, ein besonders innovatives Produkt. Es ist ein Wagnis, aber eines das sich lohnen könnte. Echo rückt uns dort näher ans Netz, wo wir bislang konsequent offline sind. Im Wohnzimmer, beim Faulenzen, beim Kochen, beim Schlafen, im Bett. Echo ist, einem Handy nicht unähnlich, die Standleitung unseres Lebens zu einem Amazon-Server. 199 Dollar kostet das Gerät in den USA, bislang können nicht alle Kunden bestellen, Amazon testet noch, wie das neue, ungewohnte Gerät angenommen wird.

Vielleicht hat Amazon deshalb einen betont konservativen Werbespot zu Echo gedreht, der vor allem suggeriert: Echo macht das Leben einfacher. Ansonsten bleibt alles, wie es ist. Vati hört die Nachrichten mit Echo, Mutti kann den neuen Mitbewohner erst nicht richtig bedienen, aber rafft es dann doch noch – so einfach ist Echo! – und kann in Ruhe mit Echos Hilfe kochen. Und es stimmt ja auch: Nicht das Gerät ist das größte Problem, sondern die fehlenden Regeln für das Gerät. Der Zwang, dem Kunden transparent zu zeigen, was mit ihm geschieht, wenn er das Gerät verwendet. Echo ist nämlich nur die Vorderseite des Produktes, das man erwirbt. Den schwarzen Zylinder kann man anfassen, aber für den Kunden nicht greifbar ist der Amazon-Webserver, der mit Echo verbunden ist und der mit jedem Wort, das in Echos Hörweite fällt, dazu lernt. Über den Sprechenden. Über seinen Tonfall, seine Stimmung, seine Wünsche, seine Probleme, seine Hoffnungen, sein Leben.

Daten, die besonders wertvoll sind

Echo sammelt jene Kategorie von Daten, die besonders wertvoll und besonders kritisch ist, nämlich personenbezogene Daten. Und der Service wäre nicht halb so bedenklich, wenn er klar geregelt wäre und für den Nutzer vollkommen transparent wäre, wie und wo seine Daten liegen, wer sie bekommt und was mit ihnen angestellt wird. Aber welchen Gesetzen gehorcht Echo überhaupt? Amerikanischen? Deutschen? Wer hat Zugriff auf die Daten? Was geschieht mit den Profilen, die unweigerlich entstehen, wenn Echo immer lauscht?

Amazon in Deutschland konnte eine entsprechende Anfrage der Süddeutschen Zeitung nicht beantworten und verweist auf die amerikanische Pressestelle, die bislang nicht reagiert hat. Auf der Echo Produktseite, auf der sich bislang nur amerikanische Nutzer um ein Gerät bewerben können, sind die Vorteile von Echo ausführlich erklärt. Der tolle Klang der Lautsprecher, wie genau Echo höre, was gesprochen wird, wie sich Echo mit anderen Geräten verbinden lässt. Der Hinweis zum Datenschutz aber führt nur zur ganz gewöhnlichen Amazon.com-Datenschutzseite, die Allgemeinplätze und Standardtexte für den Nutzer bereithält. Wer Echo besitzt, weiß deshalb tatsächlich nicht, wie ihm geschieht. Vielleicht ist es nochmal an der Zeit, die 351 Seiten der inoffiziellen Gebrauchsanweisung zu lesen.

Patente in Österreich – Hitliste der fleißigsten Regionen

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Die Karte zeigt die Verteilung der zwischen 2009 und 2013 erteilten Patente je 10.000 Einwohner, aufgeschlüsselt nach Bezirken. Erfasst sind Unternehmen, Universitäten und private Tüftler, die vom Österreichen Patentamt einen 20 Jahre währenden Schutz erhalten haben. Insgesamt wurden im Erfassungszeitram 7533 Patente erteilt. Erkennbar ist, dass in jenen Bezirken mehr Patente eingereicht wurden, in denen viele Unternehmen konzentriert sind. Besonders sticht die Region von Ried im Innkreis bis Perg hervor. Nach absoluten Zahlen liegt übrigens der Grazer Motorenbauer mit 308 Patenten an der Spitze.

Quelle: http://derstandard.at/2000007836947/Erteilte-Patente-in-Oesterreich

 

Marketiers im Disruptionsstress

Kaum eine Branche oder Traditions-Marke, die nicht vom Aufstieg neuer Wettbewerber betroffen ist. Marketing und Werbung dürfen die Innovationen des digitalen Zeitalters nicht weiter ignorieren. Es ist ihre letzte Chance, die Rolle des Vorreiters zu übernehmen.

Das Ergebnis der diesjährigen Studie „Die Lieblingsmarken der Deutschen“ der Brandmeyer Markenberatung gleicht einer Sensation: Coca-Cola, im vergangenen Jahr noch die bestplatzierte Lebensmittelmarke, verliert elf Rangplätze. Die Marke – nunmehr auf Rang 25 – muss sich sogar von der Bio-Marke Alnatura schlagen lassen, die zum ersten Mal den Aufstieg in die Top 50 der beliebtesten Lebensmittelmarken schafft und gleich auf Rang 12 landet.

Bei Frauen steht Bionade sogar auf Platz sieben. Die klebrige US-Brause liegt inzwischen gleichauf mit dem Bio-Pionier Demeter, der es ebenfalls unter die bestplatzierten Marken schaffte. Bio schlägt Brause.

Selbst mit den Trend-Marken Apple und Samsung geht es bergab. Es stellt sich nun die Frage: Wann sind die Nächsten dran? Wann stürzen Nivea und womöglich auch BMW und Audi in der Gunst der Verbraucher ab? Tesla steht bereits in den Startlöchern.

An solche Sensationen werden sich die Traditionsmarken ebenso wie ganze Branchen gewöhnen müssen. Schuld daran ist die Digitalisierung. Sie macht die Märkte mitsamt ihrer tradierten Marken transparent wie noch nie. Sie gibt dem Verbraucher mehr Macht als je zuvor, seine Bedürfnisse zu formulieren und seine Gunst neu auf die Markenwelt zu verteilen. Vor allem aber macht sie es neuen Anbietern leichter denn je, sich in der neu formierenden Markenwelt zu platzieren – und die vormals unangreifbaren Größen des Marktes abzuhängen.

Disruption ersetzt business as usual

Ganze Märkte stehen vor ungeahnten Disruptionen. Jeder weiß, dass Amazon und Ebay den Einzelhandel verändern, gar die Existenz ganzer Branchen wie den Buchhandel gefährden; dass Buchungsplattformen wie Booking.com und HRS.de die Reisebüros überflüssig machen. Dafür sorgt jeder von uns täglich. Und nirgends wird der Kampf der stationären Einzelhandels-Bastionen deutlicher als bei den bislang fruchtlosen Bemühungen von MediaMarkt und Saturn, ihre Kunden zu halten und zurückzugewinnen.

iTunes revolutionierte den Musikmarkt. Zalando stellt den stationären Schuh- und Textilhandel in Frage. Der textile Fachhandel muss zudem mit ansehen, wie neue Anbieter namens Modomoto und Outfittery die individuelle Kundenberatung übernehmen und damit ebenso wie unzählige Fashion-Blogger an die Stelle der ehemaligen (meist ohnehin schlecht ausgebildeten) Fachverkäufer treten.

Sie übernehmen die Empfehlungsfunktion und verlinken gleich auf Online-Shops – allerdings eher auf net-a-porter.com als auf peek-cloppenburg.de. Keine Branche ist mehr sicher vor den Umwälzungen des digitalen Wandels. Business as usual kann sich niemand mehr erlauben.

Die „Share Economy“ lässt überall neue Online-Vermittlungsbörsen entstehen. Uber stellt das herkömmliche Taxi-Unternehmen in Frage, Airbnb greift erfolgreich nach Marktanteilen im Hotelgewerbe. Jeder fünfte Deutsche hat solche Angebote bereits wahrgenommen. Tendenz steigend. Vor allem aber: Diese innovativen Start-ups beschreiben und betreiben das neue, digitale Marketing in seiner reinsten Form.

Glaubte die Lufthansa bislang, Air Berlin sei der größte Wettbewerber, muss sie nun mit ansehen, wie der Billigflieger Easyjet die Streikphase der Kranich-Piloten ausnutzt und erstmals um deutsche Geschäftskunden wirbt. Das Unternehmen wildert ausgerechnet mit dem Thema Pünktlichkeit in der Kernzielgruppe des Noch-Marktführers. Das neue Motto im Marketing heißt „Jeder gegen Jeden“. Keine Marke ist mehr vor Angriffen sicher.

Die Kleinen fressen die Großen. Die größten Marken werden zum Freiwild für die schier unüberschaubare Schar der neuen Kleinen, die die Vorzüge der digitalen Medienwelt nutzen, um sich fast mühelos Bekanntheit und Vertrauen in ihren immer größer werdenden Zielgruppen zu ergattern.

Alyssa McDonald lehrt mit Blyss die Schokoladen-Konzerne das Fürchten und zeigt vorbildlich, wie man echte Schokolade macht. Emmas Enkel definieren den Lebensmittel-Einkauf neu. Nur ihr Name ist noch eine Leihgabe aus der guten, alten Tante Emma-Zeit.

Immer mehr Marken greifen nach Marktanteilen, ohne sich dabei traditioneller Werbung zu bedienen. Sie bauen ihre Markenwelten mithilfe sozialer Netzwerke und YouTube-Kanälen auf. Dass dabei nicht alle Old-Economy-Unternehmen tatenlos zusehen, beweist die Otto-Gruppe mit ihrem Start-up „Collins“, das jüngst den neuen Online-Shop „About You“ startete. Auch Rewe ist inzwischen aufgewacht und stellt sich den neuen Marktanforderungen.

Wie sehr die jungen, digitalen Unternehmen bereits an den Märkten der Old Economy nagen, zeigt sich auch an der Erhebung der weltweit beliebtesten Arbeitgeber. Darin platzieren sich Uber, Adobe, Airbnb und Booking.com erstmals unter den Top 100, während Traditionsunternehmen wie Procter & Gamble, Shell, McKinsey, Boston Consulting und Danone zu den Verlierern zählen. BMW und Roche büßen innerhalb eines einzigen Jahres sogar 22 Rangplätze ein.

Sie alle verlieren im Kampf um die besten Arbeitnehmer zunehmend an Gunst und Rang. Vier der ersten fünf Plätze belegen ohnehin die Digital-Fürsten Google, Apple, Microsoft und Facebook. Wenn die Traditions-Unternehmen auch den Kampf um die besten Leute verlieren, sind sie in Zukunft nichts mehr wert.

Quelle: http://www.wiwo.de/unternehmen/handel/werbesprech-jeder-gegen-jeden-klein-gegen-gross/10923412-2.html